„Ich bin ausgebildete Radiologieassistentin“: eine Absolventin erzählt

 

Am 21. September 2010 fanden an der Medizinisch Technischen Akademie Esslingen die Prüfungen des 33. Jahrgangs der Medizinisch-technischen Radiologieassistenzausbildung statt. Dorothea Nussbaum-Baumann ist eine der erfolgreichen Absolventen.  Besser später als nie. Denn Dorothea Nußbaum-Baumann drückte mit 49 nochmals für drei Jahre die Schulbank. Was sie zu diesem Schritt veranlasste, erzählt sie uns im Interview.

 

Wir haben es uns zwischen den Schulbänken im Unterrichtsraum bequem gemacht. An dem Ort, wo Frau Nußbaum-Baumann samt ihren Klassenkameraden die letzten drei Jahre büffelte und schwitzte. „Wir hatten natürlich auch eine Menge Spaß“, lacht sie. Trotz manch staubtrockener Theoriestunde fühlte sie sich im Kreise der fast jugendlichen Klassenkameraden eigentlich immer wohl. „Ja, so jung war ich auch damals bei meiner ersten Lehre“, erinnert sie sich an die Zeit, als sie ihre Ausbildung zur Arzthelferin begann. Das waren noch andere Zeiten, damals, 1975. Sie hatte gerade ihre Mittlere Reife absolviert. Mit Büchern, Schreibzeug und Papier. Mehr gab es noch nicht. Keine Computer, nicht einmal Kopierer.

Beim Internisten lernte sie. Und es gefiel ihr. Aber trotzdem kam schon bald der Wunsch auf, sich zur Röntgenassistentin weiterzubilden. Doch es blieb ein Wunsch. Die Eltern hatten starke Bedenken, was die Gefährlichkeit von Röntgenstrahlen betraf. Die Forschung auf dem Gebiet war schließlich 35 Jahre jünger als heute. Und die Kosten für die Ausbildung setzten jeglicher Diskussion zu Hause ein Ende.

Nach dem Internisten wechselte sie zur Krankenkasse. „Auslandskorrespondenz und -abrechnungen mit allem drum und dran“ hatte sie unter anderem dort zu bearbeiten. Und statt Patienten zu behandeln, beriet sie jetzt Kunden. So schön die Arbeit auch dort war, der Wunsch, noch irgendwann einmal MTRA zu werden, blieb.

Mit der Geburt ihres Sohnes und später der Pflege ihrer kranken Mutter beschritt sie Anfang der 90er Jahre einen neuen Lebensabschnitt, bis sie 2006 beschloss, wieder berufstätig zu werden. Auf der Suche nach einer Stelle blieb sie an einer Zeitungsanzeige der Medizinisch Technischen Akademie Esslingen hängen. Beherzt griff sie zum Telefon und der Rest ist Geschichte.

„Viel Freizeit blieb nicht mehr übrig in den drei Jahren“, reflektiert Frau Nußbaum-Baumann, „das Lernen ist in meinem Alter doch kein Zuckerschlecken mehr.“ Haushalt und Familie waren schließlich auch noch mit unter den Hut zu bringen. Gefragt, was ihr zu den letzten drei Jahren einfällt, muss sie nicht lange überlegen. „Eine tolle Schule mit familiärer Atmosphäre, super Klassenkameraden und top Dozenten, viele waren überdurchschnittlich engagiert. Der Unterricht war ziemlich anspruchsvoll, da wurde uns nichts geschenkt. Auch die Dienste in den Krankenhäusern waren stressig, dafür hat man dort aber recht viel gelernt. Und der Umgang mit den Patienten war mir doch das Liebste. Nur das sechswöchige Pflegepraktikum würde ich als notwendiges Übel bezeichnen.“ Und ihr Status als „Klassenmutti“? „Völlig problemlos. Aber eine Sonderstellung hat man da schon irgendwie. Zumindest traut sich kaum jemand, mir zu widersprechen“, scherzt sie.

Dass sie gestern schließlich mit 2,0 abgeschlossen hat, verschweigt sie bescheiden. Ob sie ihre Entscheidung bereut? „Auf keinen Fall! Es war eine anstrengende, aber schöne Zeit. Ich danke meinem Mann, dass er mir die Schule ermöglicht hat.“ Wie es jetzt weitergeht? „Jetzt wird erst mal gefeiert.“

Dabei wünschen wir ihr viel Spaß sowie für die Zukunft alles Gute und danken für dieses Gespräch.

Dorothea Nussbaum-Baumann tritt am 1. Oktober 2010 eine Assistentenstelle in einer Stuttgarter Klinik an.

Informationen unter 0711 – 340 08 -  861
oder www.mtae.de bzw. www.tae.de!



Die Medizinisch Technische Akademie Esslingen (MTAE), gegründet 1975, ist staatlich anerkannte Berufsfachschule bzw. Fachschule für Techniker. Sie bildet Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) und Medizintechniker aus. Die MTAE fusionierte 1995 mit der Technischen Akademie Esslingen (TAE).

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